Herkunft und Abstammung

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Die Urahnen unserer Hauskatze sind nicht etwa unter den Vorfahren unserer europäischen Wildkatze zu suchen, so naheliegend diese Annahme bei oberflächlicher Betrachtung auch sein mag, sondern in erster Linie auf dem afrikanischen Kontinent. Vielleicht läßt sich mit diesem Ahnenerbe erklären, weshalb unsere Katze als Heimtier ein so ausgeprägtes Wärmebedürfnis zeigt, indem sie — für uns unbegreiflich — voller Wohlbehagen oft stundenlang am heißen Kachelofen öder in brütender Sonnenhitze ausharrt. Für die in Afrika lebenden Falbkatzen ist seit alters kennzeichnend, daß sie nicht nur die Wärme lieben, sondern daß sie sich auch in starkem Maße zum Menschen und dessen Behausungen hingezogen fühlen, in kurzer Zeit eine große Anhänglichkeit entwickeln und sich leicht zähmen lassen, ganz im Gegensatz zu ihren menschenscheuen europäischen Artgenossen, die in unseren Wäldern recht selten geworden sind. Bei der großen geographischen Ausbreitung der Falbkatze, die sich von Algier bis zum Kap über ganz Afrika erstreckt, fehlt es nicht an zahlreichen Unterarten. Vor allem die in Nubien und Ägypten beheimatete nordafrikanische Falbkatze sowie die abessinische Buschfalbkatze werden als Stammeltern unserer heutigen Hauskatzen betrachtet. Zu dieser Erkenntnis trugen unter anderem vergleichende anatomische Untersuchungen bei, die eine weitgehende Übereinstimmung im Knochenbau und in den Hirngrößen erkennen ließen. Eduard Rüppel, ein aus Frankfurt stammender Naturwissenschaftler, interessierte sich um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts als erster Afrikaforscher für die nordafrikanische Falbkatze. Er entdeckte sie auf der Westseite des Nils bei Ambukol in der Wüstensteppe Nubiens und gab von ihr eine sehr genaue Beschreibung. Nach jüngeren Erkenntnissen auf dem Gebiet der Haustierforschung muß aber angenommen werden, daß nicht Ägypten allein, sondern auch Mesopotamien, Arabien und andere Länder Vorderasiens sowie Kleinasien mit den dort anzutreffenden Unterarten der Falbkatze zur Entstehung der Hauskatze beigetragen haben. Der Ursprung unserer Langhaarkatzen ist nicht eindeutig erwiesen. Möglicherweise geht er auf Einkreuzungen von Steppenkatzen und der kaukasischen Waldwildkatze zurück. Lange Zeit stand hierfür auch der Manul wegen seines langen Haarkleides zur Diskussion (Abb. 6). Diese Hypothese stieß aber bereits 1913 auf Ablehnung und wurde später erneut in Zweifel gestellt, nachdem man erkannt hatte, daß zu große Artunterschiede bestehen. Wahrscheinlicher ist hingegen die neuerdings geäußerte Vermutung, daß die Barchanoder Sicheldünenkatze, eine vorderasiatische Variante der die Wüstengebiete Nordafrikas und Südwestasiens bewohnenden Sandkatze, ein blutmäßig naher Verwandter der Perserkatzen sei. Dafür spricht als gemeinsames kennzeichnendes Merkmal die dichte Behaarung an der Unterseite der Koten, die bei der Wildform als Anpassung an das Laufen auf heißem Sandboden in der Wüste betrachtet wird. Auch im übrigen Äußeren ist — bis auf die größeren Ohren beim wilden Vetter — eine Übereinstimmung unverkennbar. Als weiteres Argument für die enge verwandtschaftliche Beziehung mag das Verbreitungsgebiet der Barchankatze dienen. Es erstreckt sich über die Wüste Karakum in der UdSSR bis weit in den Iran hinein; ein Bereich, der früher den Namen Chorassan trug — das Steppenhochland im Nordosten Persiens. Hier soll der römische Patrizier Pietro della Valle zu Beginn des 17. Jahrhunderts zahme Katzen von bemerkenswerter Schönheit gefunden haben. Sie zeichneten sich vor allem durch ihr seidenweiches, langes Haarkleid von blaugrauer Farbe und einen buschigen Schwanz aus. Ausführlich berichtete er über sie in einem seiner 44 Briefe, die der Nachwelt überliefert wurden. Bestand zwischen ihnen und den gleichfalls dort heimischen Barchankatzen ein Zusammenhang und waren sie etwa die Vorläufer der blauen Perserkatzen? Diese Fragen müssen offenbleiben. Ebensowenig ist erwiesen, ob der reiselustige Römer tatsächlich einige dieser Katzen in seine Heimat mitnahm, um mit ihnen eine Zucht von Langhaarkatzen zu begründen. Grau ist alle Theorie! Auch die Abstammungshypothese von der Barchankatze blieb von wissenschaftlicher Seite nicht unwidersprochen. Ähnliche Merkmale, so lautet das Gegenargument, sind auch bei anderen Haustieren — bei11 spielsweise bei Hunden oder abgewandelt als Federbildungen beim Geflügel — zu finden, ohne daß diese als Erbteil wildlebender Vorfahren betrachtet werden können.

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One Response to Herkunft und Abstammung

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