Die Hauskatze in unserer Zeit

 „Man darf vielleicht behaupten, daß unser Zeitalter mehr als andere versuche, den Tieren gerecht zu werden. Das Verständnis für den Anspruch des Tieres ist allgemeiner geworden, nicht mehr Vorzug sehr einsamer und unerreichbarer Geister!” Diese Worte der Schriftstellerin Ricarda Huch, der einstigen Ehrenpräsidentin des Deutschen Kulturbundes, bringen wohl am besten die Einstellung der überwiegenden Mehrzahl der Menschen unserer Zeit zum Haustier und damit auch zur Katze zum Ausdruck. In der schweren Zeit der Trümmerberge in den Großstädten, die der letzte Krieg als Erbe hinterließ, wurde der Nutzen der Katze erneut vor Augen geführt. Ohne sie hätten sich Ratten und Mäuse mancherorts ins uferlose vermehren können, von denen womöglich ein großer Teil der wenigen vorhandenen Nahrungsmittel vernichtet worden wäre. Continue reading

Der Streit um den Vogelschutz

 Die Bemühungen um die Zucht von Rassekatzen vermochten nichts daran zu ändern, daß für die „gewöhnlichen” Katzen, denen man auf Fluren oder in Gärten begegnet, mit Beginn des Jahrhunderts erneut eine Zeit der Verfolgung begann. Diesmal waren es die Liebhaber der Singvögel, die mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen die Katzen zu Felde zogen und sie am liebsten ausgerottet hätten. Sie betrachteten die Katze als Hauptfeind unserer heimischen Vogelwelt und starteten deshalb öffentlich Kampagnen zu ihrer Vernichtung. Sie ließen dabei völlig außer acht, daß es vor allem gefiederte Nahrungskonkurrenten (wie Krähen, Elstern, Sperber, Eichelhäher) als auch Raubzeug (wie Marder, Iltis und Wiesel) sind, die erheblich zur Lichtung des Singvogelbestandes beitragen. Continue reading

Der Beginn der Zucht von Rassekatzen

 Ebenso wie die Hundezucht nahm auch die planmäßige Zucht von Rassekatzen in England ihren Anfang. Die erste Katzenausstellung der Welt fand am 13. Juli 1871 im Londoner Crystal-Palace statt; das geschah zwölf Jahre nach der ersten Hundeausstellung. Sie muß ein bemerkenswertes Ereignis gewesen sein, denn die englischen Zeitungen berichteten hierüber ausführlich, und Tausende von Schaulustigen wurden angelockt, obwohl verständlicherweise die Zahl der Rassen oder Farbschläge — gemessen an den heutigen Verhältnissen—bescheiden war. Immerhin hatte man doch schon 170 Katzen zusammengebracht, darunter auch etliche langhaarige, die von drei Richtern beurteilt wurden. Continue reading

Bemühungen um ein objektives Verhältnis zum Haustier Katze

 Die philosophische Strömung der Aufklärung, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts in England ihren Ausgang nahm und von Frankreich aus allmählich das übrige Europa ergriff, bemühte sich darum, die Bevormundung durch Feudaladel und Klerus abzuschütteln und Licht in das geistige Dunkel zu bringen. Viele ihrer Verfechter, wie Rousseau, Thomasius oder Leibniz, wollten die Menschen ihrer Zeit davon überzeugen, daß es im Tierreich wie anderswo mit rechten und natürlichen Dingen zugeht. Continue reading

Aberglauben und Volksbräuche

Die magische Beziehung, die nach mittelalterlichen Vorstellungen zwischen der Katze und der Heraufbeschwörung von Unheil bestehen sollte, spiegelte sich in mannigfaltig abgewandelter Form in den Volksbräuchen vieler Länder über Jahrhunderte wider; in manchen Gegenden verkehrten sich diese ihrem Sinn nach auch ins Gegenteil. Dies trifft vor allem für die „Bauopfer” zu, die darin bestanden, daß man beim Bau eines Hauses Katzen lebendig oder tot in die Fundamente einmauerte. Sie sollten Krankheit und Tod, Blitzschlag und anderes Unheil von den Bewohnern des Hauses fernhalten. Continue reading

Die Katzenverfemung zur Zeit der Hexenprozesse

Das Christentum war der Katze keineswegs gut gesonnen. Möglicherweise verübelte man ihr die mythologische Rolle, die sie bei den Germanen gespielt hatte, und betrachtete sie deshalb als Verkörperung des Heidnischen. Der Franziskanermönch Bruder Berthold von Regensburg predigte Mitte des 13. Jahrhunderts von der Kanzel, daß ihr Atem die Pest verbreite. Zugleich eiferte er mit scharfen Worten gegen Glaubensabtrünnige: „Der Ketzer heißt deshalb Ketzer, weil er in seiner Art keinem Tier so gleicht wie der Katze!” Die friedliche Zeit des ungestörten Mäusefangs und des gemütlichen Schlafens am warmen Herd war für Katzen endgültig vorbei, als Papst Innozenz VIIL, zu deutsch der „Unschuldige”, im Jahre 1484 den folgenschweren Erlaß „Summis desiderantes affectibus” herausgab. In ihm wurde Hexerei und Teufelsanbetung als eine Realität hingestellt, die von den kirchlichen Instanzen mit aller Strenge zu bekämpfen war. Hierdurch erhielt der Hexenglaube, der zu Beginn des Mittelalters von der Kirche noch mißbilligt worden war, erheblichen Auftrieb. In vielen Fällen diente diese päpstliche Bulle zugleich als Handhabe, um sich unbequemer Mitbürger aus den verschiedensten Gründen zu entledigen. Zusammen mit Ketzern und „Hexen” wurden auch deren Katzen in die Hölle verdammt und der Inquisition überantwortet. Continue reading

Katzen in Deutschland und in anderen Ländern Europas

 Zu der Zeit, als das römische Imperium seinen letzten Aufschwung erlebte, gelangten Katzen mit dem Troß römischer Legionen auf dem damals sehr beschwerlichen Weg über die Alpenpässe nach dem Norden. Es ist anzunehmen, daß es sich dabei immer nur um einzelne Tiere gehandelt haben kann, da Katzen im Gegensatz zu Hunden keinerlei Neigung besitzen, sich dem Leben umherziehender Menschen anzupassen und sie auf ihren ruhelosen Märschen zu begleiten. Dennoch kam es im Laufe von Generationen in ganz Europa zu ihrer allmählichen Verbreitung, wobei auch Handelsbeziehungen eine Rolle gespielt haben werden, denn sie tauchten in Gegenden auf, die außerhalb des militärischen Machtbereiches Roms lagen, beispielsweise in Schleswig mit dem Handelszentrum Haithabu. Nach den Ländern des Balkans mögen sie vereinzelt durch die Völkerwanderung gebracht worden sein. In einem Vandalengrab aus dem 4. Jahrhundert bei Kesthely unweit vom Plattensee entdeckten Archäologen auf dem Brustkorb eines menschlichen Skeletts die knöchernen Überreste einer Katze. Continue reading

Einzug der Katzen in Griechenland und im alten Rom

Etliche Jahrhunderte vergingen, bis man auch in Europa Katzen als Haustiere kennenlernte. Solange die Ägypter ihre Katzen für göttliche Wesen hielten, bestand für diese ein strenges Ausfuhrverbot, und harte Strafen hatte zu erwarten, wer eine Katze außer Landes schmuggeln wollte. Aber selbst die Androhung der Todesstrafe konnte auf die Dauer nicht verhindern, daß infolge des regen Handels und der engen kulturellen Beziehungen ägyptische Katzen durch Seeleute zunächst erst einmal nach Kreta gelangten. Dies muß, so lassen Funde von Katzenfiguren aus Terrakotta vermuten, im 11. Jahrhundert v. u. Z. gewesen sein. Doch außer diesem Fund hinterließ die Existenz von Hauskatzen auf dieser Mittelmeerinsel, deren Bewohner zu jener Zeit ganz der sakralen Verehrung des Stieres ergeben waren, keinerlei Spuren für die Nachwelt. Weitere 600 Jahre verflossen, ehe man außer in Griechenland auch in Italien die Bekanntschaft der Katze machte. Die ersten Exemplare, die in Griechenland sowie in Unteritalien und auf Sizilien auftauchten, kamen aus der unter griechischem Einfluß stehenden Stadt Kyrene an der nordafrikanischen Küste im heutigen Libyen. Sie wurden als seltsame Kostbarkeiten bestaunt, von den Frauen reicher Kaufleute und Patrizier wegen ihres hübschen Aussehens sowie ihres anschmiegsamen Wesens wohlgefällig als Spielzeug auf: genommen und ihr Bild schließlich in Stein gemeißelt oder auf Münzen aus Tarent und Regium geprägt. Wir begegnen diesen Katzen außerdem auf Vasenmalereien der Werkstätten in Ruvo und Basilicata wieder. Eines der wohl schönsten dieser apulischen Vasenbilder zeigt zwei nach damaliger Sitte leichtbekleidete Frauengestalten, die eine hochspringende Katze mit einem Vogel und einem Wollknäuel zum Spiel herausfordern. Das Fell der Katze weist eine leichte Marmorierung auf; eine Zeichnung, die bei Falbkatzen nicht vorkommt. Bei dieser Szene kann es sich ohne jeden Zweifel nur um eine Hauskatze handeln. Eine ebenso interessante Darstellung—die Begegnung zwischen einem Hund und einer Katze — findet sich auf einem griechischen Relief aus Paulopaulos unweit von Athen aus dem Jahre 480 v.u.Z. Beide Vierbeiner sind mit einem Halsband versehen und werden von zwei Männern an der Leine gehalten, die mit sichtlicher Spannung beobachten, welchen Verlauf das Zusammentreffen dieser gegensätzlichen Tiere nehmen wird. Trotz dieser und anderer offenkundiger Beweise einer weitgehenden Anpassung an den Menschen vermochte sich zu jener Zeit die Katze weder in Italien noch in Griechenland einzubürgern. Sie blieb ein Fremdling, dessen Haltung sich vereinzelt nur Begüterte aus Liebhaberei und Luxus leisteten. Continue reading

Hauskatzen im Fernen Osten

 Sofern man den uralten schriftlichen Überlieferungen Glauben schenken darf, muß die Katze im Fernen Osten bereits vor der Zeitenwende bekannt gewesen und auch schon gezähmt worden sein. Die ersten, die mit der Katze Freundschaft schlössen und denen sie dafür in der Weltabgeschiedenheit der Klöster Gesellschaft leistete und die Zeit vertrieb, sollen Mönche gewesen sein. Jedoch wird es sich bei diesen vierbeinigen Gefährten der Klausner und Priester keineswegs um blauäugige Siamesen oder um „heilige” Birmakatzen gehandelt haben, wenn auch hierüber verschiedene Legenden berichten, denn diese Rassekatzen sind erst in jüngster Zeit durch planvolle Züchtung entstanden. Ebensowenig dürfte es den Tatsachen entsprechen, daß die chinesischen Wildkatzen oder deren domestizierte Abkömmlinge Hängeohren besessen haben. Diese noch heute gelegentlich vertretene Ansicht geht auf eine Beschreibung zurück, die der Tiermaler und Schriftsteller Jean Bungartz in seinem „Illustrierten Tierbuch” um die Jahrhundertwende abgab. Er stützte sich dabei auf den phantasievollen Bericht eines Seemannes, der eine derartige Katze in China selbst gesehen haben will, die zudem noch schwerhörig gewesen sein soll. „Durch fortwährenden Nichtgebrauch dieses Organs”, so schlußfolgerte Bungartz, „verkümmerten Gehör und Ohrmuscheln”, denn die chinesischen Katzen wurden vor langer Zeit angeblich nicht als Mäusefänger gehalten, sondern als Masttiere. Sie sollen ebenso wie eine Zeitlang die Chow-Chows, eine alte Hunderasse, dem Menschen als Nahrungsmittel gedient haben und in Bambuskäfigen gemästet worden sein. Continue reading